Dieser Leitfaden zeigt, wie Green Shooting in der Filmproduktion strukturiert umgesetzt wird – von der CO₂-Bilanzierung (SOLL/IST) über Förderanforderungen bis zur internationalen Anschlussfähigkeit nach ISO- und GHG-Logik.
Er verbindet nationale Standards mit professionellem Emissionsmanagement und schafft die Grundlage für prüffähige, vergleichbare und strategisch nutzbare CO₂-Daten.
Zur direkten Anwendung stehen der
Green Shooting Rechner und der CO₂-Rechner für Filmproduktionen zur Verfügung.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Green Shooting – Grundlagen & Bedeutung
- 2. Warum CO₂-Bilanzierung unverzichtbar ist
- 3. Methodik der CO₂-Berechnung in Filmproduktionen
- 4. Green Shooting entlang der Produktionsphasen
- 5. Die zentralen Emissionsbereiche im Detail
- 6. Förderrelevanz & Ökologische Standards
- 7. ISO 14067 & GHG Protocol im Filmkontext
- 8. Emissionen strategisch senken
- 9. Häufige Fragen
Green Shooting – Grundlagen & Bedeutung
Green Shooting bezeichnet die systematische ökologische Optimierung von Film-, TV- und Online-/VoD-Produktionen über den gesamten Herstellungsprozess hinweg. Von der ersten Kalkulation in der Vorproduktion bis zur finalen Postproduktion wird Nachhaltigkeit nicht als Zusatzmaßnahme verstanden, sondern als integraler Bestandteil professioneller Produktionssteuerung.
In Deutschland ist Green Shooting längst mehr als ein freiwilliger Branchenansatz. Die bundesweit einheitlichen Ökologischen Standards, getragen vom Arbeitskreis „Green Shooting“, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der FFA sowie den Länderförderungen, definieren verbindliche Anforderungen. Mit der Aktualisierung zum 1. November 2025 steigt die Zahl der Muss-Vorgaben von 22 auf 25 – ein deutliches Signal für ein wachsendes Ambitionsniveau.
Vom Maßnahmenkatalog zur Emissionssteuerung
Frühere Nachhaltigkeitsinitiativen arbeiteten vor allem mit Maßnahmenlisten. Heute steht die messbare CO₂-Bilanzierung im Mittelpunkt. Green Shooting bedeutet daher nicht nur, einzelne Vorgaben zu erfüllen, sondern Emissionen strukturiert zu erfassen, zu bewerten und strategisch zu steuern.
Zentral ist dabei die verpflichtende zweistufige CO₂-Bilanzierung: eine vorlaufende SOLL-Bilanz zur Planung sowie eine nachlaufende IST-Bilanz zur Dokumentation der tatsächlichen Emissionen – jeweils mit demselben System. Ergänzt wird dies durch einen standardisierten Abschlussbericht.
Green Shooting wird damit vom reinen Maßnahmenkatalog zu einem belastbaren Emissionsmanagementsystem.
Handlungsfelder als strukturelle Grundlage
Die Ökologischen Standards gliedern nachhaltige Filmproduktion in fünf zentrale Handlungsfelder: allgemeine Vorgaben, Energieeinsatz, Personen- und Materialtransporte, Unterbringung und Verpflegung sowie Materialeinsatz und -nutzung. Diese Struktur bildet die operativen Emissionsquellen einer Produktion ab und schafft eine nachvollziehbare Bewertungslogik.
Ein professionelles CO₂-System muss diese Logik nicht nur beschreiben, sondern operativ abbilden – durch konsistente Datenerhebung, Plausibilisierung und strukturierte Ergebnisdarstellung.
Rollen, Verantwortung und Prüffähigkeit
Green Shooting ist ein Teamprozess. Die Einbindung eines qualifizierten Green Consultant stellt sicher, dass Nachhaltigkeitsanforderungen frühzeitig integriert und während der Produktion begleitet werden. Gleichzeitig ist die Nachweisführung zweistufig organisiert: Neben der regulären Berichterstattung kann eine vertiefende Prüfung erfolgen, etwa bei Inkonsistenzen oder im Rahmen stichprobenartiger Kontrollen.
Damit wird Nachhaltigkeit nicht nur geplant, sondern überprüfbar dokumentiert.
Green Shooting als Managementinstrument
Für Produktionen bedeutet das: Green Shooting ist ein Management-Thema. Es betrifft Planung, Budget, Logistik, Einkauf, Energieversorgung und Reporting gleichermaßen. Ein System muss daher nicht nur „Ja/Nein“-Antworten ermöglichen, sondern Anwendbarkeit, Begründungen und strukturierte Nachweise unterstützen.
Grüner Werkzeugkasten / Green Toolkit ist darauf ausgelegt, Green Shooting als datenbasierten Prozess umzusetzen – von der strukturierten SOLL-Planung im Green Shooting Rechner über die methodische Emissionsberechnung im CO₂-Rechner für Filmproduktionen bis zur prüffähigen Berichterstattung.
Damit wird CO₂-Bilanzierung zur strategischen Entscheidungsgrundlage und nicht lediglich zur administrativen Pflicht.
Warum CO₂-Bilanzierung unverzichtbar ist
CO₂-Bilanzierung ist heute der zentrale Baustein professioneller Filmproduktion im Kontext von Green Shooting. Einzelmaßnahmen wie Ökostrom oder nachhaltiges Catering sind wichtige Schritte – doch erst die strukturierte Emissionsberechnung schafft Transparenz, Vergleichbarkeit und strategische Steuerbarkeit.
Förderrechtliche Verpflichtung
Die bundesweit geltenden Ökologischen Standards sind für viele Produktionen verbindliche Fördervoraussetzung. Sie schreiben eine vorlaufende (SOLL) und nachlaufende (IST) CO₂-Bilanzierung mit einem anerkannten CO₂-Rechner sowie einen standardisierten Abschlussbericht vor.
Die aktualisierte Fassung der Ökologischen Standards – September 2025 präzisiert diese Anforderungen und erhöht das Ambitionsniveau. Nachhaltigkeit ist damit nicht nur Empfehlung, sondern strukturierter Bestandteil der Produktionslogik.
Zweistufiges Nachweisverfahren
Das Nachweisverfahren folgt einer klar definierten Struktur. Zunächst erfolgt eine standardisierte Berichterstattung (SOLL/IST). Ergänzend kann eine vertiefende Prüfung stattfinden – entweder anlassbezogen oder als Stichprobe (ca. 5–10 % der Produktionen).
Diese Prüfstruktur macht deutlich: CO₂-Daten müssen nicht nur vorhanden, sondern nachvollziehbar dokumentiert und konsistent aufgebaut sein.
Muss-Vorgaben und 6-von-25-Regel
Die Standards unterscheiden zwischen Muss- und Soll-Vorgaben. Muss-Vorgaben sind grundsätzlich einzuhalten. In begründeten Ausnahmefällen kann von maximal sechs der 25 Muss-Vorgaben abgewichen werden („6-von-25-Regel“). Nicht anwendbare Kriterien gelten als erfüllt.
Das erfordert eine differenzierte Erfassungslogik, die Anwendbarkeit, Begründung und Nachvollziehbarkeit strukturiert abbildet.
Von der Pflicht zur strategischen Steuerung
Eine CO₂-Bilanz ist jedoch mehr als ein Fördernachweis. Sie ist ein Managementinstrument. Sie identifiziert Emissionsschwerpunkte, ermöglicht fundierte Entscheidungen und schafft Vergleichbarkeit zwischen Projekten.
Durch projektübergreifende Auswertungen können Emissionen nicht nur auf Filmebene, sondern auch auf Portfolio- oder Studioebene analysiert werden. Damit wird Nachhaltigkeit von einer operativen Aufgabe zu einer strategischen Kennzahl.
Internationale Relevanz
Internationale Initiativen wie Green Motion sowie politische Rahmenbedingungen – etwa im Kontext der Kultur- und Medienförderung – unterstreichen, dass CO₂-Transparenz zunehmend als Branchenstandard gilt.
CO₂-Bilanzierung ist damit nicht nur förderrelevant, sondern Teil einer professionellen, zukunftsfähigen Produktionsstruktur.
Methodik der CO₂-Berechnung in Filmproduktionen
Eine belastbare CO₂-Bilanzierung in der Filmproduktion basiert nicht auf Schätzungen oder pauschalen Durchschnittswerten, sondern auf einer klar definierten Methodik. Aktivitätsdaten werden entlang realer Produktionsprozesse erfasst und mithilfe validierter Emissionsfaktoren in CO₂-Äquivalente (CO₂e) umgerechnet. Dadurch entsteht eine transparente, nachvollziehbare und vergleichbare Emissionsbewertung.
Wie diese strukturierte Erfassung in der Praxis funktioniert, zeigt unser CO₂-Rechner für Filmproduktionen, der speziell auf die Anforderungen audiovisueller Produktionen ausgerichtet ist.
SOLL- und IST-Bilanz – Vergleichbarkeit als Prinzip
Green Shooting basiert auf zwei aufeinander aufbauenden Bewertungsstufen: der vorlaufenden SOLL-Bilanz und der nachlaufenden IST-Bilanz. Während die SOLL-Bilanz die geplanten Emissionen sichtbar macht, dokumentiert die IST-Bilanz die tatsächliche Umsetzung.
Entscheidend ist dabei die methodische Konsistenz. Nur wenn beide Bilanzierungen auf derselben Struktur und demselben System beruhen, lassen sich Abweichungen analysieren und Verbesserungen systematisch ableiten.
Der Green Shooting Rechner ist genau für diese Vergleichbarkeit konzipiert.
Aktivitätsdaten als Grundlage der Emissionsbewertung
Im Zentrum der Methodik stehen konkrete Aktivitätsdaten. Dazu zählen Energieverbräuche, Transportkilometer, Übernachtungszahlen, Catering-Strukturen oder Materialeinsatz. Diese Daten werden nicht isoliert betrachtet, sondern in eine systematische Kategorienlogik überführt.
Anschließend erfolgt die Umrechnung in CO₂e. Dabei werden neben CO₂ auch weitere Treibhausgase berücksichtigt und in eine gemeinsame Bewertungsgröße überführt. So entsteht eine vergleichbare Gesamtbilanz.
Scope-Logik und Emissionskategorien
Professionelle CO₂-Systeme orientieren sich an der internationalen Scope-Logik. Direkte Emissionen (Scope 1), indirekte Emissionen aus eingekauftem Strom (Scope 2) sowie indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (Scope 3) werden differenziert erfasst.
Gerade Scope-3-Emissionen – etwa durch Mobilität, Unterkünfte oder Materialeinsatz – machen in Filmproduktionen häufig den größten Anteil aus. Eine strukturierte Erfassung entlang der Departments ist daher entscheidend für eine realistische Bewertung.
Strukturierte Ergebnisdarstellung
Die Ergebnisse werden nicht nur als Gesamtsumme ausgewiesen, sondern entlang klar definierter Emissionsbereiche dargestellt – beispielsweise Energie, Transport, Unterkunft, Material oder Postproduktion. Diese Struktur entspricht sowohl förderrelevanten Anforderungen als auch internationaler Berichtssystematik.
Von der Projektbilanz zur strategischen Steuerung
Eine professionelle Methodik endet nicht bei der Einzelproduktion. Wenn Daten konsistent strukturiert sind, lassen sich mehrere Projekte aggregieren und analysieren. Dadurch entsteht ein strategischer Überblick – von der Einzelproduktion (PCF) bis zur Portfolioebene (CCF).
Weitere Hintergründe zur Systemarchitektur findest du auf der Startseite sowie im Bereich Zertifizierungen.
Green Shooting entlang der Produktionsphasen
Nachhaltige Filmproduktion beginnt nicht erst am Set. Sie entsteht aus der strukturierten Verzahnung aller Produktionsphasen – von der ersten Planung bis zur finalen Berichterstattung. Die Ökologischen Standards gelten ausdrücklich für Vorproduktion, Produktion und Postproduktion. Green Shooting ist damit kein isoliertes Maßnahmenpaket, sondern ein durchgängiger Prozess.
Vorproduktion: Strategische Emissionsplanung
In der Vorproduktion werden die entscheidenden Grundlagen gelegt. Die vorlaufende SOLL-Bilanz macht Emissionsschwerpunkte frühzeitig sichtbar und ermöglicht es, nachhaltige Alternativen bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen. Energiequellen, Mobilitätskonzepte, Unterkunftsstrategien oder Materialentscheidungen lassen sich so vor Drehbeginn bewerten.
Statt später zu reagieren, wird Emissionsreduktion proaktiv geplant. Der Green Shooting Rechner unterstützt diese Phase durch eine strukturierte SOLL-Erfassung, die direkt an die spätere IST-Bilanz anschlussfähig bleibt.
Produktion: Operative Datenerhebung am Set
Während der Drehphase entstehen die realen Aktivitätsdaten. Stromverbrauch, Generatorlaufzeiten, Transportbewegungen, Übernachtungen oder Cateringstrukturen müssen nachvollziehbar dokumentiert werden. Entscheidend ist dabei nicht nur die Datensammlung, sondern ihre Konsistenz.
Eine strukturierte Erfassung entlang klar definierter Emissionskategorien ermöglicht es, spätere Prüfanforderungen ohne zusätzliche Nacharbeit zu erfüllen. Der CO₂-Rechner für Filmproduktionen bildet diese Kategorien systematisch ab und unterstützt die konsistente IST-Dokumentation.
Postproduktion: Nachhaltigkeit endet nicht mit dem letzten Drehtag
Auch die Postproduktion ist Bestandteil der CO₂-Gesamtbewertung. Schnittplätze, Studios, Rendering-Prozesse oder externe Dienstleister verursachen Energieverbräuche, die in der Gesamtbilanz berücksichtigt werden müssen. Eine vollständige Emissionsanalyse integriert daher alle beteiligten Produktionsschritte.
Die Einbeziehung der Postproduktion stellt sicher, dass die Bilanz nicht fragmentiert bleibt, sondern den gesamten Lebenszyklus der Produktion umfasst.
SOLL, IST und strukturierte Ergebnisdarstellung
Die klare Trennung zwischen Planung (SOLL), Umsetzung (IST) und Abschlussbericht ist nicht nur förderrechtlich relevant, sondern organisatorisch sinnvoll. Sie schafft Transparenz, Vergleichbarkeit und ermöglicht es, Abweichungen zwischen Planung und Realität nachvollziehbar zu analysieren.
Nach Abschluss der Produktion werden die IST-Daten konsolidiert und in einer strukturierten Ergebnisdarstellung ausgewiesen. Diese bildet die Grundlage für den Abschlussbericht und dokumentiert die Einhaltung der Muss-Vorgaben.
Systematische Integration in den Workflow
Unser System ist darauf ausgelegt, diese Prozesslogik operativ zu unterstützen. Emissionskategorien orientieren sich an den Handlungsfeldern der Standards, SOLL- und IST-Daten bleiben vergleichbar, und die Differenzierung nach Scope 1, Scope 2 und Scope 3 schafft internationale Anschlussfähigkeit.
Durch die projektübergreifende Aggregation von Emissionsdaten –
sichtbar in der Systemübersicht
– wird aus der Einzelbilanz ein strategisches Steuerungsinstrument.
Ergänzend ermöglicht die Anschlussfähigkeit an Zertifizierungsprozesse (Zertifizierungen) eine weitergehende Validierung.
So wird Green Shooting nicht nur als Förderanforderung umgesetzt, sondern als skalierbares Managementinstrument etabliert – von der einzelnen Produktion bis zur unternehmensweiten Nachhaltigkeitsstrategie. CO₂-Bilanzierung wird damit vom administrativen Nachweis zur strategischen Entscheidungsgrundlage.
Emissionsbereiche im Detail – Struktur und Wirkung
Eine professionelle CO₂-Bilanzierung in der Filmproduktion folgt keiner zufälligen Struktur. Sie orientiert sich sowohl an den Handlungsfeldern der Ökologischen Standards als auch an der internationalen Logik des GHG Protocol. Erst diese Kombination ermöglicht Vergleichbarkeit, Steuerbarkeit und Anschlussfähigkeit an internationale Berichtssysteme.
Die Standards gliedern nachhaltige Filmproduktion in zentrale Handlungsbereiche wie Energie, Transport, Unterkunft, Verpflegung und Materialeinsatz. Diese Struktur deckt sich mit den Emissionskategorien, die auch in international anerkannten Bilanzierungsrahmenwerken verwendet werden. Dadurch entsteht eine konsistente Grundlage für Planung, Umsetzung und Reporting.
Energieeinsatz und Stromversorgung
Der Energieeinsatz ist häufig einer der sichtbarsten Emissionsbereiche einer Produktion. Dazu zählen Netzstrom in Studios und Produktionsbüros ebenso wie mobile Generatorlösungen am Set. Besonders bei On-Location-Drehs beeinflussen Stromquellen, Generatorlaufzeiten und Lichtkonzepte maßgeblich die Emissionshöhe.
In der Bilanzierung werden direkte Verbrennungsprozesse typischerweise als Scope-1-Emissionen erfasst, während eingekaufter Strom unter Scope 2 fällt. Eine differenzierte Erfassung dieser Daten ist Voraussetzung für belastbare Auswertungen – sowohl auf Projektebene als auch in aggregierter Form.
Mobilität und Transportlogistik
Mobilität ist in vielen Filmproduktionen einer der größten Emissionstreiber. Fahrten zwischen Motiven, Materialtransporte, Flüge oder Bahnreisen summieren sich schnell zu erheblichen Anteilen der Gesamtbilanz. Während eigene Fahrzeuge den direkten Emissionen zugeordnet werden, fallen externe Transporte und Dienstleister in der Regel unter Scope 3.
Eine strukturierte Erfassung von Kilometerleistungen, Antriebsarten und Transportkonzepten ermöglicht es, Optimierungspotenziale realistisch zu bewerten – etwa durch den Vergleich von Bahn- und Flugoptionen oder durch die gezielte Umstellung auf emissionsärmere Fahrzeugtypen.
Unterbringung und Verpflegung
Übernachtungen und Catering zählen zu den indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Die Anzahl der Übernachtungen, die Art der Unterkunft sowie nachhaltige Catering-Anteile beeinflussen die Gesamtbilanz erheblich. Obwohl diese Bereiche häufig organisatorisch getrennt betrachtet werden, sind sie für die Emissionsbewertung integraler Bestandteil der CO₂-Analyse.
Gerade hier zeigt sich der Vorteil strukturierter Datenerhebung: Statt pauschaler Annahmen werden reale Aktivitätsdaten verwendet, wodurch sich konkrete Reduktionspotenziale identifizieren lassen.
Materialeinsatz und Entsorgungsprozesse
Der Bau von Kulissen, der Einsatz von Holz, Requisiten und Verbrauchsmaterialien sowie deren Entsorgung binden Ressourcen und verursachen indirekte Emissionen. Entscheidend ist nicht nur die Menge der eingesetzten Materialien, sondern auch deren Herkunft, Wiederverwendbarkeit und Recyclingfähigkeit.
Durch die Bewertung von Neubeschaffung gegenüber Mehrfachverwendung lassen sich Ressourceneffizienz und Emissionsrelevanz transparent darstellen. Diese Daten fließen typischerweise in die Scope-3-Betrachtung ein.
Postproduktion und digitale Prozesse
Auch digitale Arbeitsprozesse verursachen Emissionen. Schnittplätze, Rendering, Farbkorrektur oder externe Postproduktionsstudios benötigen Energie und Infrastruktur. Eine vollständige CO₂-Bilanz berücksichtigt daher nicht nur die Drehphase, sondern auch sämtliche nachgelagerten Prozesse.
Die Integration dieser Daten in eine konsistente Struktur stellt sicher, dass die Gesamtbilanz nicht fragmentiert bleibt, sondern alle Phasen einer Produktion umfasst.
Von der Einzelproduktion zur Portfolio-Steuerung
Während einzelne Projekte als Product Carbon Footprint (PCF) bewertet werden, ermöglicht eine konsistente Datenstruktur die Aggregation mehrerer Produktionen zu einer übergeordneten Betrachtung – etwa im Sinne eines Corporate Carbon Footprint (CCF).
Unser System unterstützt diese Logik durch eine strukturierte Ergebnisdarstellung und projektübergreifende Auswertung (siehe Systemübersicht). Dadurch werden Emissionsdaten nicht nur dokumentiert, sondern strategisch nutzbar gemacht – etwa auf Sender-, Studio- oder Unternehmensniveau.
Die Verbindung von Handlungsfeldern, Scope-Logik und aggregierbarer Datenstruktur schafft die Grundlage für eine professionelle, anschlussfähige Nachhaltigkeitsstrategie.
Förderrelevanz & Nachweisverfahren im Detail
Die Ökologischen Standards sind für viele deutsche Filmproduktionen verbindliche Fördervoraussetzung. Nachhaltigkeit ist damit kein freiwilliger Zusatz, sondern Bestandteil der formalen Förderlogik. Offizielle Informationen zur Einordnung und Anwendung finden sich unter anderem bei der
FFA sowie bei der Initiative Green Motion.
Muss- und Soll-Vorgaben
Die Standards unterscheiden klar zwischen Muss- und Soll-Vorgaben. Muss-Vorgaben sind grundsätzlich einzuhalten. Soll-Vorgaben formulieren qualitative Zielsetzungen und erhöhen das Ambitionsniveau nachhaltiger Produktionspraxis. Bei bundesgeförderten Produktionen werden auch Angaben zur Umsetzung der Soll-Vorgaben im Abschlussbericht berücksichtigt.
Diese Differenzierung macht deutlich: Green Shooting ist kein binäres System, sondern ein strukturierter Rahmen mit klar definierten Mindestanforderungen und weiterführenden Optimierungspotenzialen.
Die 6-von-25-Regel
In begründeten Ausnahmefällen kann von maximal sechs der insgesamt 25 Muss-Vorgaben abgewichen werden. Voraussetzung ist eine nachvollziehbare, sachlich begründete Dokumentation. Vorgaben, die objektiv keinen Anwendungsbereich haben, gelten als erfüllt.
Diese Regelung erfordert eine präzise Erfassung der Anwendbarkeit einzelner Kriterien – nicht nur deren pauschale Bestätigung.
Zweistufiges Nachweisverfahren
Das Nachweisverfahren ist zweistufig aufgebaut. Zunächst erfolgt eine standardisierte Berichterstattung, in der zentrale Angaben zu SOLL- und IST-Bilanz sowie zur Einhaltung der Muss-Vorgaben gemacht werden. Ergänzend kann eine vertiefende Prüfung erfolgen – entweder anlassbezogen bei Inkonsistenzen oder als stichprobenartige Kontrolle (ca. 5–10 % der Produktionen).
Das bedeutet in der Praxis: Daten müssen nicht nur erhoben, sondern prüffähig strukturiert dokumentiert werden.
SOLL- und IST-Bilanzierung
Produktionen sind verpflichtet, eine vorlaufende SOLL-Bilanz zu erstellen und nach Abschluss eine IST-Bilanz mit demselben CO₂-Rechner durchzuführen. Die Ergebnisse werden in einer vereinheitlichten Struktur ausgewiesen und bilden die Grundlage für den Abschlussbericht.
Zur praktischen Umsetzung dieser Anforderungen stehen der Green Shooting Rechner sowie der
CO₂-Rechner für Filmproduktionen zur Verfügung. Beide unterstützen die konsistente Abbildung der förderrelevanten Kategorien.
Abschlussbericht und Prüffähigkeit
Nach Abschluss der Produktion wird ein standardisierter Abschlussbericht erstellt. Dieser weist die tatsächlichen Emissionen aus und dokumentiert die Einhaltung der Muss-Vorgaben. Die strukturierte Darstellung der Ergebnisse ist dabei entscheidend, um Transparenz und Vergleichbarkeit zu gewährleisten.
Eine konsistente Datenerhebung reduziert das Risiko einer vertiefenden Prüfung erheblich und erleichtert die formale Einreichung.
Systematische Unterstützung im Workflow
Unser System unterstützt diese Anforderungen, indem es:
– Emissionskategorien klar strukturiert abbildet
– SOLL- und IST-Bilanzen vergleichbar macht
– rollenspezifische Dateneingabe ermöglicht
– prüffähige Ergebnisdarstellungen generiert
So wird Förderkonformität nicht als zusätzliche Belastung verstanden, sondern als integrierter Bestandteil des Produktionsprozesses – von der Planung bis zur Berichterstattung.
ISO 14067, GHG Protocol & internationale Anschlussfähigkeit
Nachhaltige Filmproduktion bewegt sich zunehmend in einem internationalen Kontext. Nationale Green-Shooting-Anforderungen bilden eine wichtige Grundlage – doch globale Studios, Streaming-Plattformen und internationale Koproduktionen erwarten Emissionsdaten, die auch außerhalb nationaler Förderlogiken verständlich und vergleichbar sind.
ISO 14067 – Product Carbon Footprint als Referenzrahmen
Die internationale Norm ISO 14067 definiert Anforderungen und Leitlinien zur Quantifizierung und Kommunikation des Carbon Footprint of Products (PCF). Sie beschreibt, wie Emissionen entlang eines definierten Systemrahmens konsistent berechnet und dokumentiert werden.
Weitere Informationen zur Norm finden sich hier:
ISO 14067:2018 – Carbon Footprint of Products.
Für audiovisuelle Produktionen ist diese Logik besonders relevant, wenn CO₂-Bilanzen als belastbare Grundlage für externe Prüfungen, Nachhaltigkeitsberichte oder Zertifizierungen dienen sollen.
GHG Protocol – internationale Vergleichbarkeit durch Scope-Logik
Das GHG Protocol ist der weltweit anerkannte Rahmen zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen. Es unterscheidet zwischen:
Scope 1 (direkte Emissionen),
Scope 2 (eingekaufter Strom) und
Scope 3 (Emissionen entlang der Wertschöpfungskette).
Gerade Scope-3-Emissionen – etwa durch Reisen, Unterkünfte, Material oder externe Dienstleister – spielen in Filmproduktionen eine zentrale Rolle.
Relevante Referenzen:
GHG Protocol Corporate Standard | GHG Protocol Product Standard
Von PCF zur CCF – Skalierbarkeit als strategischer Vorteil
Während einzelne Produktionen als Product Carbon Footprint (PCF) bewertet werden, gewinnt die Aggregation auf Portfolioebene zunehmend an Bedeutung. Sender, Studios und Produktionshäuser benötigen konsolidierte Emissionsübersichten über mehrere Projekte hinweg.
Ein System ist dann zukunftsfähig, wenn es sowohl projektbezogene Emissionsdaten strukturiert ausweisen als auch auf Unternehmens- oder Portfolioebene konsolidieren kann.
Internationale Anschlussfähigkeit in unserem System
Grüner Werkzeugkasten / Green Toolkit verbindet nationale Green-Shooting-Anforderungen mit internationaler Methodik. Die Datenstruktur orientiert sich an klar definierten Emissionskategorien, unterstützt Scope-Differenzierung und ermöglicht die Aggregation von Projekt- zu Portfolioebene.
Informationen zur Zertifizierungsanschlussfähigkeit findest du hier:
Zertifizierungen.
Einen Überblick zur Systemarchitektur bietet die
Plattformübersicht.
Damit wird CO₂-Bilanzierung nicht nur förderkonform umgesetzt, sondern international anschlussfähig gestaltet – von der Einzelproduktion bis zur strategischen Steuerungsebene.
Emissionen strategisch senken – vom Nachweis zur Wirkung
CO₂-Bilanzierung ist kein Selbstzweck. Ihr eigentlicher Wert liegt darin, Emissionsschwerpunkte sichtbar zu machen und gezielt zu reduzieren. Green Shooting wird erst dann wirksam, wenn die erhobenen Daten in konkrete Entscheidungen übersetzt werden.
Energie intelligent planen
Der Energieeinsatz zählt in vielen Produktionen zu den größten Emissionstreibern. Die Wahl zwischen Netzstrom, Generator oder hybriden Lösungen beeinflusst die Bilanz erheblich. Frühzeitige Abstimmung mit Motivgebern und technische Planung reduzieren den Bedarf an fossiler Energie bereits in der Vorproduktion.
Durch systematische Auswertung der Energiedaten lassen sich zukünftige Produktionen effizienter planen und Generatorlaufzeiten nachhaltig reduzieren.
Mobilität strukturell optimieren
Reise- und Transportemissionen entstehen nicht zufällig – sie sind Ergebnis logistischer Entscheidungen. Die Bündelung von Transporten, bewusste Standortwahl, Bahn statt Flug bei geeigneten Strecken und die Nutzung emissionsärmerer Fahrzeuge haben direkten Einfluss auf die CO₂-Bilanz.
Durch transparente Erfassung von Kilometerleistungen und Verkehrsmitteln wird sichtbar, wo strukturelle Verbesserungen möglich sind – statt nur einzelne Maßnahmen umzusetzen.
Unterkunft und Catering bewusst steuern
Übernachtungen und Verpflegung gehören zu den indirekten Emissionen, sind jedoch strategisch beeinflussbar. Kurze Wege zwischen Unterkunft und Motiv reduzieren Mobilität. Regionale oder nachhaltige Lebensmittel verringern indirekte Emissionen entlang der Lieferkette.
Datenbasierte Auswertungen zeigen, welche Entscheidungen messbare Effekte haben – und welche nur symbolisch wirken.
Materialkreisläufe stärken
Kulissenbau, Requisiten und Verbrauchsmaterialien binden Ressourcen. Die Wiederverwendung bestehender Materialien, der Einsatz zertifizierter Holzprodukte und eine strukturierte Mülltrennung verbessern nicht nur die ökologische Bilanz, sondern erhöhen langfristig die Ressourceneffizienz.
Eine konsistente Datenerhebung ermöglicht es, Wiederverwendungsquoten zu analysieren und systematisch zu steigern.
Von Einzelmaßnahmen zur strategischen Steuerung
Der entscheidende Unterschied liegt nicht in einzelnen Maßnahmen, sondern in der systematischen Verknüpfung von Datenerhebung und Entscheidungsprozessen. Werden Emissionsdaten projektübergreifend ausgewertet, lassen sich Benchmarks definieren und langfristige Reduktionspfade entwickeln.
Unser
Green Shooting Rechner
und der
CO₂-Rechner für Filmproduktionen
unterstützen diese Analyse durch strukturierte Auswertungen und konsistente Datenlogik.
So wird CO₂-Reduktion nicht als kurzfristige Anpassung verstanden, sondern als strategischer Bestandteil moderner Produktionssteuerung.
Häufige Fragen zur CO₂-Bilanzierung und Green Shooting
Was ist ein CO₂-Rechner für Filmproduktionen?
Ein CO₂-Rechner für Filmproduktionen ist ein strukturiertes Berechnungssystem, mit dem Emissionen entlang von Energieeinsatz, Transport, Unterkunft, Catering, Materialeinsatz und Postproduktion erfasst und in CO₂-Äquivalente umgerechnet werden. Er ermöglicht die Erstellung einer vorlaufenden (SOLL) und nachlaufenden (IST) Bilanz.
Ist Green Shooting in Deutschland verpflichtend?
Für viele geförderte Produktionen gelten die bundesweit einheitlichen Ökologischen Standards als Fördervoraussetzung. Diese schreiben unter anderem eine CO₂-Bilanzierung sowie einen standardisierten Abschlussbericht vor.
Was bedeutet die 6-von-25-Regel?
Die 6-von-25-Regel erlaubt es Produktionen, in begründeten Ausnahmefällen von maximal sechs der 25 Muss-Vorgaben abzuweichen. Voraussetzung ist eine nachvollziehbare Begründung. Nicht anwendbare Kriterien gelten als erfüllt.
Was ist der Unterschied zwischen SOLL- und IST-Bilanz?
Die SOLL-Bilanz wird vor Produktionsbeginn erstellt und schätzt die geplanten Emissionen. Die IST-Bilanz dokumentiert nach Abschluss der Produktion die tatsächlich entstandenen Emissionen. Beide müssen methodisch vergleichbar sein.
Welche Emissionsbereiche werden berücksichtigt?
Typischerweise werden Energieeinsatz, Transport, Unterbringung, Verpflegung, Materialeinsatz sowie Postproduktion berücksichtigt. Diese Bereiche entsprechen sowohl den Handlungsfeldern der Ökologischen Standards als auch der internationalen Scope-Logik.
Was bedeutet Scope 1, Scope 2 und Scope 3?
Scope 1 umfasst direkte Emissionen (z. B. eigene Fahrzeuge), Scope 2 indirekte Emissionen aus eingekauftem Strom und Scope 3 Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, etwa durch Reisen, Unterkünfte oder Materialien.
Kann eine CO₂-Bilanz auch für mehrere Produktionen aggregiert werden?
Ja. Wenn Emissionsdaten konsistent strukturiert erfasst werden, lassen sie sich projektübergreifend aggregieren – etwa zur Bewertung eines gesamten Produktionsportfolios oder eines Studios.
Wie unterstützt Grüner Werkzeugkasten die CO₂-Bilanzierung?
Grüner Werkzeugkasten bietet mit dem
Green Shooting Rechner
und dem
CO₂-Rechner für Filmproduktionen
eine strukturierte Lösung zur Erstellung von SOLL- und IST-Bilanzen sowie zur prüffähigen Dokumentation.